Diagnose

Gründe für eine Physiotherapie

Eine kinderphysiotherapeutische Behandlung wird bei einer Vielzahl von Fragestellungen und Diagnosen in Betracht gezogen. Im Allgemeinen geht es dabei um die Unterstützung der (sensomotorische) Entwicklung, das Behandeln von mit der Diagnose einhergehenden Symptomen und Unterstützung und Beratung der Kinder und deren Bezugspersonen.

Beispiele von Diagnosen, die eine kinderphysiotherapeutische Behandlung erfordern können:

Arthrogryposis multiplex congenita

Die Arthrogryposis multiplex congenita, kurz AMC, ist eine angeborene Form der Gelenksteife. Diese kann einzelne oder mehrere Gelenke betreffen und die Ausprägung kann sehr unterschiedlich sein, von leicht- bis schwerbetroffen. Die AMC ist selten und dementsprechend ist die Erfahrung für die Behandlung im Allgemeinen klein.

Die Physiotherapie spielt ab der Geburt des Kindes mit AMC eine wichtige Rolle. Umso früher die Physiotherapie begonnen wird (ideal direkt ab Geburt), umso erfolgreicher, da die Strukturen (Muskeln, Sehnen, Bänder, Gelenkkapseln, Faszien) noch leichter mobilisiert werden können. Ausgeprägte Gelenkversteifungen können so verhindert werden.

Die Physiotherapie ist bei dem Krankheitsbild komplex und intensiv. Sie beinhaltet einerseits die Mobilisation der betroffenen Strukturen, um die Beweglichkeit der Gelenke zu verbessern, damit das Kind diese in seiner motorischen Entwicklung aktiv nutzen kann. Ein weiterer Schwerpunkt ist es, Gelegenheit für Bewegungserfahrungen zu bieten, damit motorisches Lernen möglich werden kann. Je nach Ausprägung der Gelenksteife und ihrer motorischen Fähigkeiten sind die Kinder auf Hilfsmittel angewiesen. Die Physiotherapie ist dabei ein wichtiger Partner für die Orthopädie- und Rehabilitationstechnik. Eine besondere und bedeutende Aufgabe ist für uns Kinderphysiotherapeutinnen die partnerschaftliche Begleitung und Unterstützung der Familie, von Wissensvermittlung bis hin zu praktischen Anleitungen und Coaching.

Eine ausführlichere Beschreibung zu AMC finden Sie in unserem Bulletin Nummer 37 (LINK).

Es gibt Kinderphysiotherapeut*innen, die sich auf Kinder mit komplexen Gelenkfehlstellungen, wie die AMC, spezialisiert haben. In der Physiopaed -Therapeutensuche ist diese Spezialisierung nicht speziell gekennzeichnet. Am besten fragen Sie die Kinderphysiotherapeutin in ihrer Nähe direkt an, ob sie Erfahrung in diesem Bereich hat.

Chronischer Schmerz

Chronische muskuloskeletale Schmerzen im Kinders- und Jugendalter

Schmerzen, die länger als 3 Monate anhalten oder über die Zeit hinaus anhalten, die im allgemeinen für die Ausheilung einer Verletzung oder Krankheit benötigt wird, werden gemäss der IASP (International Association for the Study of Pain) als chronisch bezeichnet.

Sie können kontinuierlich oder wiederkehrend vorkommen und bezüglich Intensität, Lokalisation oder Qualität sehr unterschiedlich sein. Im Gegensatz zum akuten Schmerz, der uns vor Gefahren warnt und auf Gewebeschäden hinweist, hat der chronische Schmerz keine solche Warnfunktion und wird zur eigentlichen Krankheit. Chronische Schmerzen können in Zusammenhang mit anderen Krankheiten entstehen, oft fangen sie aber auch ohne jeden erkennbaren Grund an. Sie haben immer biologische, psychische und soziale Anteile. Diese müssen im Laufe der Behandlung erkannt und adressiert werden.

Immer mehr Kinder und Jugendliche leiden unter chronischen Schmerzen. Am häufigsten haben sie chronische Kopfschmerzen, gefolgt von Bauch- und muskuloskeletale Schmerzen. Mädchen sind etwas häufiger betroffen als Knaben und die Anzahl der Patienten steigt mit zunehmendem Alter (Peak bei 14 Jahren). Kinder und Jugendliche mit chronischen Schmerzen können in ihrer Lebensqualität und in ihrer persönlichen, sozialen und schulischen Entwicklung stark beinträchtig sein.

Wenn immer möglich sollten Kinder und Jugendliche mit chronischen Schmerzen von ausgewiesenen Fachleuten in einem multiprofessionellen Team behandelt werden. Diesem sollte in jedem Falle ein Schmerzspezialist*in, ein Kinderpsychologe*in und bei muskuloskeletalen Schmerzen auch ein Physiotherapeut*in angehören.

Das Ziel der Physiotherapie ist es, dass die Kinder und Jugendliche verlorene Aktivitäten und Funktionen wieder erlernen und trotz der Schmerzen ein aktives Leben führen können.

Um diese Ziele zu erreichen führt die Physiotherapeutin am Anfang der Behandlung einen Schmerzbefund zur objektiven Erfassung der Funktionseinschränkung, der Beeinträchtigung und des Grades der Dekonditionierung durch. Aufgrund des Befundes werden mit dem Kind oder der Jugendliche und seiner Familie individuelle und überprüfbare Therapieziele festgelegt. Danach erfolgt als erstes eine altersgerechte Schmerzedukation. Das Kind oder der Jugendliche lernt, seinen Schmerz zu verstehen. Er lernt, wie der Schmerz entsteht und was er dagegen tun kann. Danach erfolgt ein aktives Übungsprogramm, das mitbestimmt und kontrolliert werden kann. Mit Übungen im Ausdauer Bereich wird die allgemeine Fitness verbessert und versucht ein positives Körpergefühl zu vermitteln.

Der Therapieabschluss muss sorgfältig geplant werden. Das Kind und seine Familie sollen genau instruiert sein, wie sie sich bei Wiederauftreten der Schmerzen verhalten sollen und wie man sich selber helfen kann.

Buch für Eltern und Kinder:

Rote Karte für den Schmerz

Wie Kinder und Eltern aus dem Teufelskreis chronischer Schmerzen ausbrechen

ISBN 978-38497-0130-7

 

Homepage und Video:

https://www.deutsches-kinderschmerzzentrum.de/ueber-uns/videos/den-schmerz-verstehen/

Entwicklungsverzögerung

Die Ursachen für eine Entwicklungsverzögerung oder einen Entwicklungsrückstand sind sehr vielfältig. Bei der Fragestellung rund um die Entwicklung geht es häufig um die Abgrenzung «altersentsprechend» oder «nicht altersentsprechend», was im Laienjargon oft auf «normal» oder «nicht normal» reduziert wird.

Die Entwicklung des Kindes verläuft nach biologischen Gesetzmässigkeiten, nach einem vererbten Entwicklungsplan. Das Kind macht einen Entwicklungsschritt nach dem andern durch (mit kleinen Ausnahmen). Alles was ein Kind erlernt hat, wird es umgehend üben. In diesem Bereich kann ein Kind gefördert oder auch gehemmt werden. Es braucht dazu die nötige Unterstützung, indem ihm der Raum und die Gelegenheit dazu erschafft werden.

Viele Kinder zeigen in den ersten Lebensjahren Auffälligkeiten in ihrer Entwicklung. Die Früherkennung einer Entwicklungsauffälligkeit findet z.B. beim Kinderärzt*in im Rahmen der Vorsorgeuntersuchungen im Alter von 1, 2, 4, 6, 12, 18 und 24 Monaten, sowie mit 4, 6, 10, 12 und 14 Jahren statt. Besteht da zu irgendeinem Zeitpunkt der Verdacht auf ein Entwicklungsdefizit, so werden diese Kinder einer ausführlichen Entwicklungsdiagnostik zugeführt.

Die Abklärung ist eine interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen medizinischen, sonderpädagogischen und psychologischen Fachpersonen. (Ärzt*in, Physiotherapeut*in, Ergotherapeut*in, Logopäd*in, Heilpädagogische Früherzieher*in, Psycholog*in)

In der frühen Kindheit werden oft Verzögerungen in der motorischen Entwicklung, in der Sprach- und Spielentwicklung beobachtet.

Auch bei der Entwicklung der Wahrnehmungsfähigkeiten sind Kinder sehr unterschiedlich. Es gibt ungewohnte Entwicklungswege und -Arten, die längst nicht alle zu einer Behinderung führen.

Bei einem Verdacht auf eine Verzögerung der motorischen Entwicklung (Grob und /oder Feinmotorik) kann eine Abklärung bei einer Kinderphysiotherapeut*in vom Kinderärzt*in verordnet werden. (Pflichtleistung der Grundversicherung).

Ein*e Kinderphysiotherapeut*in ist in der Lage den Entwicklungsstand anhand der Beobachtung von Quantität und Qualität der Bewegungsabläufe und speziell

gewählten Assessments zu beurteilen.

Er/Sie kann das Kind seinem Alter und Entwicklungsstand entsprechend fördern und die Eltern/Bezugspersonen für einen fördernden Umgang im häuslichen Umfeld anleiten.

Die Kinderphysiotherapeut*in gibt dem verordnenden Kinderärzt*in Rückmeldung falls er/sie weitere Abklärungen (z.B. Neurologie, Genetik) als notwendig erachtet.

Dies im Einverständnis mit den Eltern.

Frühgeburt

Ein Frühgeborenes ist ein Kind, das vor der vollendeten 37. Schwangerschaftswoche (SSW) auf die Welt kommt. In der Schweiz sind ca. 7% der Neugeborenen zu früh geboren, davon der grösste Anteil der Kinder zwischen 32 SSW und 36 SSW.

Frühgeborene können Schwierigkeiten zeigen mit der Regulation von Körperfunktionen (Atmung, Temperatur, Blutzucker etc.), im Umgang mit der Schwerkraft oder mit Reizen von aussen wie beispielsweise Lageveränderung, Lärm und Licht. Zudem müssen sie lernen zu Trinken und zu Verdauen. Längerfristig kann all dies Auswirkungen auf die Konzentration, das Verhalten und die Geschicklichkeit, aber auch auf die Grobmotorik, die Psyche und auf die sozialen, emotionalen, kognitiven und sprachlichen Fähigkeiten sowie auf das Sehen und Hören haben.

Die Frühgeborenenperiode bezeichnet die Zeitdauer von der Geburt bis zum errechneten Termin. Der Verlauf in dieser Periode hängt massgeblich vom Zeitpunkt der Geburt des Kindes ab: Es ist ein grosser Unterschied, ob Ihr Kind in der 24. oder in der 36. SSW zur Welt gekommen ist. Je weiter die Entwicklung von Lunge, Gehirn und anderer wichtiger Organe fortgeschritten ist, je höher das Geburtsgewicht und je konstanter die Vitalparameter wie beispielsweise Temperaturregulation und Blutzucker sind, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit bleibender Beeinträchtigungen.

Die Physiotherapie kann in vielen Bereichen Einfluss nehmen. So kann Ihnen als Mutter oder Vater noch auf der Neonatologie gezeigt werden, wie Sie Ihr Kind am besten unterstützen, wie sie es berühren, aufnehmen und halten können. Die Therapie wird immer dem Alter und dem Allgemeinzustand Ihres Kindes angepasst. Es ist wichtig, dass Sie sich kompetent und sicher fühlen im Umgang mit Ihrem zu früh geborenen Kind. Sie lernen die Reaktionen Ihres Kindes zu beobachten und zu deuten. Ebenso wird Ihnen gezeigt, wie sie eine gute Ausgangslage, einen guten Moment schaffen können, damit Ihr Kind die Möglichkeit bekommt, sich in verschiedenen Positionen frei und variabel zu bewegen. Dies ist wichtig für das motorische Lernen und für die gesamte Entwicklung Ihres Kindes.

Wenn Ihr Kind zu Hause ist, lernen Sie in der ambulanten Kinderphysiotherapie, wie Sie Ihr Kind weiterhin im Üben unterschiedlicher motorischer und regulatorischer Fertigkeiten (Grob- und Feinmotorik, Geschicklichkeit, Konzentration, Aufmerksamkeit) unterstützen können und wie Sie dies am besten dem Entwicklungsstand Ihres Kindes anpassen. Falls nötig, werden im Austausch mit anderen Bereichen wie der Mütter- und Väterberatung, weiteren Therapien, mit der Kinderärztin/dem Kinderarzt und gegebenenfalls später auch mit der Schule, gemeinsame Schwerpunkte oder Ziele besprochen. So wird es gelingen, Ihrem Kind zu einem möglichst normalen Leben zu verhelfen und ein bestmögliches Teilhaben resp. eine bestmögliche Lebensqualität zu erreichen.

Haltungsinsuffizienz

Eltern sorgen sich häufig über die «krumme/schlechte» Haltung ihrer Kinder. Oft besteht die Angst, dass aus der schlechten Haltung eine unkorrigierbare Deformierung der Wirbelsäule entsteht oder im weiteren Verlauf Rückenschmerzen auftreten. Häufig wird diese «auffällige» Haltung in der Pubertät bemerkt. In dieser Zeit ist der Körper in einem grossen Wandel, das Skelett wächst schnell und die Muskulatur hinkt häufig etwas hinterher.

Die Körperhaltung wird durch verschiedene Komponenten beeinflusst:

  • die knöcherne Form des Skelettes: sie wird durch genetische Faktoren beeinflusst
  • der Bandapparat: ist unsere Muskulatur nicht aktiviert „hängen wir in den Bändern“
  • die Muskulatur: sie sorgt für Stabilität und Beweglichkeit des Rückens
  • die Körperwahrnehmung: das Kind kann bewusst seine Haltung wahrnehmen
  • die Beckenkippung: sie beeinflusst die Position der Wirbelsäule
  • die hormonelle Situation: abhängig vom Alter des Kindes
  • die Psyche: hat einen Einfluss auf die Haltung

Die Diagnose der Haltungsinsuffizienz wird vom Kinderarzt oder Kinderorthopäden gestellt und meistens folgt eine Überweisung in die Physiotherapie.

In der Physiotherapie wird zu Beginn eine umfassende Untersuchung gemacht. Es gilt herauszufinden, ob Beschwerden bestehen, wie gut das Kind oder der/die Jugendliche die Haltung aktiv korrigieren kann, wie gut die Beweglichkeit der Wirbelsäule, die Kraft, die Kraftausdauer des Rumpfes und die Körperwahrnehmung ist. Anhand der Erkenntnisse aus dem Befund wird die Behandlung geplant.

Um die Haltung zu beeinflussen, ist viel Bewegung und Sport wichtig. In der Physiotherapie kann ein spezifisches Heimprogramm erarbeitet werden und die Suche einer geeigneten Sportart professionell unterstützt werden. Wichtig ist, dass die Bewegungsfreude geweckt wird und die/der Jugendliche eine Sportart findet, welche ihm/ihr Freude macht.

Um einen optimalen Behandlungserfolg zu gewährleisten, ist es sinnvoll, die Physiotherapie bei einer/m geschulten Kinderphysiotherapeutin/en durchzuführen.

Hypotonie

«Hypotonie» bedeutet wenig Spannung. Die Diagnose «Hypotonie» beschreibt ein Kind, dass wenig Körperspannung aufweist. Hypotonie kann im Zusammenhang mit unterschiedlichen Krankheitsbildern auftreten. Hierzu zählen zum Beispiel Erkrankungen des neuromuskulären oder des zentralen Nervensystems. Die Hypotonie kann aber auch als Begleiterscheinung von genetischen oder Stoffwechselerkrankung auftreten. Es gibt zudem viele Kinder, die wenig Muskelspannung aufweisen und man keinen Grund dafür findet.

Meist fällt den Eltern oder der Kinderärzt*in auf, dass der Säugling Mühe hat verschiedene Position einzunehmen oder sich nicht selbständig am Boden fortzubewegen kann.

Im Vergleich zu gleichaltrigen Kindern scheint sich er sich langsamer zu entwickeln.

Je nachdem wie stark die Hypotonie ausgeprägt ist, wird das Kind daraufhin zur Entwicklungsunterstützung in die Physiotherapie überwiesen.

Das Ziel der Physiotherapie ist es die Entwicklung des Kindes zu fördern, seine Umwelt so interessant zu gestalten, dass es sich trotz seiner Schwierigkeiten bewegen möchte und mit den Eltern gemeinsam zu schauen wie das im Alltag umsetzbar ist. Je nach Grund und Ursache der Hypotonie, erfolgt die Physiotherapie zu Beginn wöchentlich und im später Verlauf, in grösseren Abständen.

Ein früher motorischer Input hat sich sowohl in der Praxis als auch in der Forschung für Kind und Familie als hilfreich erwiesen.

Die Begleitung des Kindes in seiner Entwicklung und seiner Familie sowie der Austausch mit beteiligten Fachkräften ist wichtiger Bestandteil der Physiotherapie bei Kindern mit Hypotonie.

Inkontinenz

Die Entwicklung der Beckenboden-Blasen-Koordination hat ihren eigenen Fahrplan und ist praktisch unabhängig von der motorischen oder geistigen Entwicklung des Kindes.

Zuwenig Trinken, falsches Verhalten auf dem WC, Probleme der Körperwahrnehmung – dies alles könnte zu einem Problem der Zusammenarbeit der Blase und des Beckenbodens führen. Inkontinenz (Einnässen tagsüber), häufige WC-Besuche oder vermehrte Harnwegsinfekte sind das Resultat. Während sich beim Säugling die Blase bei geringer Füllung sofort wieder leert, spürt das Kleinkind zwar, dass die Blase voll ist, kann die Entleerung jedoch noch nicht steuern und koordinieren. Erst später wird gelernt, wie die willentliche Speicherung des Urins in der Blase oder die Entleerung gesteuert werden kann. Im Alter von 4 Jahren sind 98% der Mädchen und 88% der Jungen tagsüber trocken. Nachts sind 85% der 5-jährigen trocken. (Wilhelm-Bals A., 2010)

In der Beckenbodenphysiotherapie erfasst der/die Kinderphysiotherapeut*in mit Spezialausbildung in der Beckenbodenrehabilitation das Problem. Es wird ein gutes Trink- und Miktionsverhalten erarbeitet, die Körperwahrnehmung und Atmung werden geschult und es wird Einfluss auf die Aktivität der Beckenbodenmuskulatur genommen. Diese kann zu schwach oder zu angespannt sein oder einfach unkoordiniert arbeiten.

Eine kinderphysiotherapeutische Behandlung garantiert, dass das Kind alters- und entwicklungsentsprechend betreut wird. Wichtige Voraussetzungen für eine erfolgreiche Therapie ist die Mitarbeit des Kindes und deine positive Unterstützung der Eltern.

Probleme mit der Stuhlkontinenz können verschiedene Ursachen haben. Die häufigsten sind chronische Verstopfung, eine unkoordinierte Beckenbodenmuskulatur oder ein Körperwahrnehmungsproblem. Auch hier kann eine Beckenbodentherapie helfen.

Spezialisierte Kinderphysiotherapeut*innen sind in unserem Verzeichnis mit Bebo gekennzeichnet.

Klumpfusse

Der Klumpfuss ist mit 1 Betroffenen auf 1000 Neugeborene eine der häufigsten angeborenen Deformitäten. In ca. 50% tritt ein Klumpfuss beidseits auf. Es besteht eine familiäre Häufung, Jungen sind häufiger betroffen als Mädchen.

Der Klumpfuss ist eine komplexe, dreidimensionale Fehlstellung und besteht aus mehreren Komponenten: Mittel- und Vorfussfehlstellung (Adductus und Supinatus), Hohlfuss (Cavus) und Spitzfuss (Equinus). Da bei einem Kind mit Klumpfuss ein erhöhtes Risiko für eine Hüftreifungsstörung besteht, wird von den Kinderorthopäden die Hüftsonographie als möglichst rasch empfohlen.

Das Behandlungsziel ist ein normal aussehender, funktionell guter, schmerzfreier Fuss mit ausreichender Beweglichkeit und Belastbarkeit. Die konservative Therapie (Physiotherapie, Gipstherapie, Schienenversorgung) steht an erster Stelle der Klumpfussbehandlung. Bei ungenügender Korrektur ist eine operative Korrektur notwendig. Da sich der Fuss direkt nach Geburt am besten konservativ korrigieren lässt, streben wir einen möglichst frühzeitigen Beginn der Therapie an. Eine enge Zusammenarbeit der Physiotherapie mit der Kinderorthopädie ist notwendig und unabdingbar.

Die Physiotherapie beinhaltet zu Beginn vor allem die Mobilisation der verklebten und verkürzten Strukturen und die Aktivierung der geschwächten Muskelfunktionsketten und Muskelgruppen (Fussauswärtsdreher und Fussheber). Im Verlauf mit zunehmendem Alter und Reife des Kindes steht immer mehr das aktive Training der Bein- und Fussachse, Balance-, Sprungtraining und der Gang im Fokus. Die Physiotherapie berät die Familien zu Schuhversorgung, geeigneten Freizeitaktivitäten und Sportarten.

Da die Gefahr einer Verschlechterung bzw. eines Rezidivs im Verlauf des Wachstums besteht, werden die Kinder für eine längere Zeit durch die Physiotherapie begleitet.

Knicksenkfüsse

Der Knicksenkfuss ist eine häufig erworbene Fussfehlstellung, bei dem die Ferse nach aussen geneigt ist (Rückfussvalgus), das Fusslängsgewölbe absinkt und der Vorfuss nach aussen abweicht (Vorfusspronation).

Wir unterscheiden bezogen auf die Beweglichkeit den flexiblen und den rigiden Knick-Senkfuss. Der flexible Knick-Senkfuss sieht unbelastet wie ein normaler Fuss aus. Im Stehen zeigt er die typische oben genannte Form. Typisch ist, dass man den flexiblen Knick-Senkfuss manuell provozieren und korrigieren kann. Im Zehenspitzenstand neigt sich die Ferse nach innen (Rückfussvarus) und das Fusslängsgewölbe richtet sich auf. Beim rigiden Knick-Senkfuss zeigt sich die oben beschriebene Fehlstellung sowohl im unbelasteten als auch belasteten Zustand und sie lässt sich manuell kaum korrigieren.

Bei Neugeborenen ist ein Knick-Senkfuss sehr selten (ca. 1:10000 Neugeborene).

Der häufigste Grund dafür ist der Talus verticalis. Hier handelt sich um eine angeborene rigide Fehlstellung aufgrund des Subtalargelenkes (hinteres unteres Sprunggelenk) mit

Achillessehnenverkürzung. Hier ist eine sofortige Behandlung erforderlich.

Bei Säuglingen und Kleinkindern ist der Knick-Senkfuss eine Entwicklungsphase des normalen Fusses (frühkindlicher Knick-Senkfuss), der nicht behandlungsbedürftig ist. Knick-Senkfüsse zeigen sich auch bei neurologischen (z.B. Cerebralparese, syndromale Erkrankung), muskulären- (z.B. kongenitale Myopathien), neuro-muskulären- (z.B. Muskeldystrophie) oder auch Bindegewebserkrankungen.

Die Knick-Senkfüsse sind bei Schmerzen, Rigidität, muskulärer Hypotonie, schwacher Fuss- und Wadenmuskulatur und Verkürzung der Wadenmuskulatur behandlungsbedürftig. Die Physiotherapie beinhaltet je nach Befund die strukturelle Mobilisation, Kräftigungsübungen der Fuss- und Wadenmuskulatur, Dehnung der Wadenmuskulatur, Beinachsentraining, eventuelle Tape-Therapie und Beratung bei der Schuhversorgung.

Schuheinlagen werden kontrovers diskutiert, da sie zwar Schmerzen lindern können, aber den Knick-Senkfuss nicht korrigieren. Orthesen kommen bei neuro-muskulären Erkrankungen zum Einsatz. Bei ausbleibender Besserung stellt sich die Indikation zum operativen Vorgehen.

Das Behandlungsziel ist ein schmerzfreier, belastbarer, aufgerichteter Fuss.

Morbus Perthes

M. Perthes ist per Definition eine im Kleinkindalter auftretende Störung der Knochenentwicklung des Hüftkopfes aufgrund einer Durchblutungsstörung.  Die Ursache der Erkrankung ist weitgehend unbekannt. Die Erkrankung betrifft mehr Jungen als Mädchen, tritt meistens zwischen dem 5. bis 9. Lebensjahr auf und ist mehrheitlich einseitig.

Es handelt sich um eine Erkrankung, die in verschiedenen Stadien abläuft, welche mit einem Röntgenbild diagnostiziert und beurteilt werden können. Primär kommt es zu einer Gelenkspaltverbreiterung im Hüftgelenk, dann verdichtet sich der Knochen und zerfällt, um sich dann wieder aufzubauen und zu verknöchern. Der Verlauf kann sehr unterschiedlich sein, abhängig vom Umfang des betroffenen Bereichs des Hüftkopfes. Die Stadien werden in einem Zeitraum von 2 – 4 Jahren durchlaufen.

Die Kinder beginnen anfänglich zu hinken und beschweren sich über Knieschmerzen, da sie oft unbewusst den Hüftbeschwerden ausweichen. Es zeigt sich relativ schnell eine Einschränkung der Hüftgelenksbeweglichkeit beim Abspreizen und Innendrehen des Beines.

Im weiteren Verlauf kommt es vermehrt zu Hüftgelenksschmerzen und zunehmenden Beweglichkeitseinschränkungen nicht nur beim Abspreizen und Innendrehen des Beines, sondern auch beim Strecken und Beugen im Hüftgelenk. Ein Kraft- und Stabilitätsverlust zeigen sich als Folge der schmerzbedingten und / oder vom Arzt verordneten Schonung.

Es gibt kein einheitliches Behandlungskonzept, da der Verlauf unterschiedlich ist. Der behandelnde Kinder-Orthopäde  verordnet, ob allenfalls Entlastung notwendig ist und beurteilt welche Aktivitäten nicht empfohlen sind. Von allem was mit Schlägen und Stössen aufs Gelenk verbunden ist, wie Hüpfen und Stopp-and-Go, wird abgeraten. Es muss ein sinnvoller Kompromiss gefunden werden zwischen dem Bewegungsbedürfnis des Kindes und dem Schutz des Gelenkes vor zu hohen Belastungen, um einer negativen Beeinflussung des Verlaufs vorzubeugen. Die Therapieziele werden vom Arzt zusammen mit der zuständigen Physiotherapeut/in definiert.

Die Behandlung sollte von einer Kinderphysiotherapeutin oder Kinderphysiotherapeut ausgeführt werden, da die kindliche Entwicklung einer besonderen Aufmerksamkeit bedarf.

Das Hauptziel der Therapie ist, dass der Hüftkopf zentriert in der Hüftgelenkspfanne positioniert ist und sich so im letzten Stadium kongruent aufbauen kann. Dies sollte im Idealfall ohne Operation erreicht werden. Eine optimale Beweglichkeit im Hüftgelenk ist deshalb elementar, weshalb die Beweglichkeitserhaltung oder  -verbesserung immer Bestandteil der Therapie ist. Auch die Schmerzverminderung oder Reduktion der Muskelspannung beeinflusst die Beweglichkeit positiv. Zudem ist die Kräftigung der Beinmuskulatur, das Fördern der Stabilität und das Korrigieren der Haltung im Stand und Gang ebenso wichtig. Ein individuell erstelltes Heimprogramm soll täglich ausgeführt werden, was von Ihnen als Eltern eine optimale Zusammenarbeit voraussetzt  und viel Einsatz erfordert.

Osteogenesis imperfecta

Die Glasknochenkrankheit, Osteogenesis imperfecta (OI) genannt, ist eine vererbbare Krankheit und fasst viele verschiedene Erscheinungsbilder zusammen. Etwa 1 von 10’000 Neugeborenen weist eine OI-Erkrankung auf.

Charakteristisch für dieses Krankheitsbild ist die erhöhte Brüchigkeit und Deformierbarkeit von Knochen, die sich mit einer Vielzahl von Spontanfrakturen äusseren kann, aber auch durch Wachstumsstörungen und Veränderungen von Bindegewebe ausserhalb der Knochen. Daher müssen in regelmässigen Abständen auch die Nieren, das Herz, die Lunge, das Gehör und die Augen kontrolliert werden.

Die Osteogenesis imperfecta wird in fünf Typen unterteilt, basierend auf der Vererbungsweise und dem Schweregrad der Erkrankung. Es ist jedoch zu beachten, dass die Ausprägung der Krankheit sehr variabel ist und sich deswegen die Patienten nicht immer eindeutig einem Erkrankungstyp zuordnen lassen. Schwere Formen zeigen bereits intrauterin erste Frakturen und Deformitäten und im Kleinkindesalter vielfache Frakturen ohne adäquates Trauma. Milde Formen hingegen können sich auch erst im frühen Erwachsenenalter durch eine Osteoporose bemerkbar machen.

Die Behandlung der Osteogenesis imperfect erfordert ein multidisziplinäres Team aus spezialisierten Orthopäden, Internisten, Pädiatern und Physiotherapeuten.

Die Bisphosphonat-Therapie gilt als Standardtherapie für die schweren Formen, können aber keine Heilung herbeiführen. Zusätzlich muss einem Mangel an Vitamin D und Kalzium vorgebeugt werden, da diese wichtige Baustoffe für den Knochen sind. Orthopädische Eingriffe zur Korrektur der Deformitäten von Knochen und zur Prävention von Frakturen der langen Röhrenknochen sind oftmals unerlässlich.

Die Aufgabe der Physiotherapie ist vielschichtig und verändert sich mit der Entwicklung des Kindes. Frühe Physiotherapie soll die Autonomie stärken, stützendes Muskelgewebe aufbauen, Fehlhaltungen vermindern und das Sturzrisiko senken, um so Verletzungen vorzubeugen. Für alle Betroffenen, die auf Hilfsmittel wie z.B. Rollatoren, Gehstöcke oder Rollstühle angewiesen sind, ist es ausserdem sehr wichtig, den selbstbestimmten Umgang damit zu erlernen.

Plagiozephalus

Hat ihr Kind eine einseitige Abflachung des Hinterkopfes, ist ein Ohr vorverlagert, und es scheint ihnen, dass ein Auge grösser als das andere Auge, eventuell ist sogar eine Gesichtshälfte grösser als die andere, dann hat ihr Kind eine Schädelasymmetrie.
Diese Asymmetrie wird als Plagiozephalus (schiefer Kopf) beschrieben.

Als Brachyzephalus (flacher Hinterkopf) wird eine globale Abflachung des Hinterkopfes bezeichnet, die eine Abnahme der Kopflänge und Zunahme der Kopfbreite zur Folge hat.

Diese sogenannte Schädelasymmetrie kann verschiedene Ursachen haben. Während der Schwangerschaft, wenn das Baby z. B. längere Zeit in einer Position gelegen hat und der Kopf vielleicht zu fest an die Rippen oder das Becken gedrückt wurde oder z. B. bei Mehrlingsschwangerschaften durch Platzmangel.

Auch während der Geburt können bestimmte Geburtsvorgänge dazu führen, dass ihr Baby eine Schädelasymmetrie bekommt. Hier kann eine sehr schnelle Geburt, aber auch sehr lange Geburt, eine Saugglockengeburt, bzw. Zangengeburt oder ein Kaiserschnitt bestimmte Mechanismen auslösen, die zu einer Schädelasymmetrie führen können.

Nach der Geburt verschwinden einige Schädelasymmetrien innerhalb der ersten vier Wochen wieder. Oft erwirbt sich nun ihr Baby einen schiefen Kopf. Hier sind besonders schwere Babys und Jungen häufiger als Mädchen dafür empfänglich. Ihr Baby legt häufig den Kopf nur auf eine Seite, wenn es auf dem Rücken liegt.

Gleichzeitig beobachten Sie noch andere Symptome, z. B. schreit ihr Baby ohne, dass sie einen Grund dafür finden können. Sie können es gar nicht oder nur wenig auf den Rücken ablegen. Zum Einschlafen tragen sie ihr Baby stundenlang herum. Wenn sie es in die Autoschale legen wollen zeigt ihr Baby ein deutliches Abwehrverhalten. Es trinkt schlecht an der Brust oder den Schoppen, es verweigert den Nuggi. Es chnörzt viel und laut und es chötzelt immer wieder, manchmal sogar noch eine Stunde nach der Mahlzeit. Das Baby mag im wachen Zustand nicht auf dem Bauch liegen. Nach einiger Zeit können sich Koliken entwickeln.

Wenn ihr Baby einen Plagiozephalus oder einen Brachyzephalus hat, kann Kinderphysiotherapie helfen. Der/die Therapeut*in erarbeitet mit ihnen und dem Baby, wie sie es z. B. tragen und ablegen können. Evtl. hat ihr Baby Verspannungen, die durch ein sanfte Behandlung gelöst werden können. In jedem Fall ist die Behandlung für ihr Baby schmerzfrei. Der Schweregrad der Schädelasymmetrie bestimmt die Behandlungsdauer der Kinderphysiotherapie. Nur bei schweren Plagiozephalien wird eine Helmtherapie empfohlen. Auch hier berät und begleitet sie ihr/ihre Kinderphysiotherapeut*in.

Plexusparese

Bei der neonatalen Plexusparese handelt es sich um eine geburtstraumatische Schädigung des Plexus Brachialis (Nervengeflecht im Bereich des Halses). Bei einer oberen Plexusparese hängt der betroffene Arm am Körper abwärts, ist locker gestreckt, eine Beugung im Ellenbogen ist nicht möglich, der Arm ist spontan nach innen gedreht. Wenn auch die Nervenbahnen betroffen sind, die die Hand versorgen (untere Plexusparese), fällt die Hand in Richtung Handfläche und es fehlt der Greifreflex. Im Fall einer unteren (oder kompletten) Plexusparese kann aufgrund der Nervenverbindungen auch ein Horner-Syndrom auftreten (Abfall eines Augenlides und Engstellung der Pupille am gleichen Auge). Darüber hinaus kann die Nervenversorgung des Zwerchfells beeinträchtigt sein (etwa in 5% der Fälle kombiniert), wodurch es zu Atemproblemen kommen kann.

Die Diagnose der neonatalen Plexusparese erfolgt aufgrund der klinischen Symptomatik. Kommt es trotz Therapie nicht im erwarteten Zeitraum, meist innerhalb der ersten 6 Lebensmonate, zu einer weitgehenden oder kompletten Erholung, ist eine weiterführende Diagnostik (Bildgebung und Elektrophysiologie) erforderlich.

Wiederherstellende (rekonstruktive) Eingriffe aus den Fachgebieten der Plastischen- und Handchirurgie, Neurochirurgie und Orthopädie bemühen sich, bei schweren Verletzungen des Plexus brachialis zuerst durch die mikrochirurgische Nervenrekonstruktion und später durch sekundäre sogenannte motorische Ersatzoperationen die allgemeine motorische und sensible Funktion der betroffenen oberen Extremität nach bester Art wiederherzustellen.

Wichtig für das Kind ist eine dauerhafte und konsequente Physiotherapie bei einer entsprechend ausgebildeten Kinderphysiotherapeutin. Dazu werden neurophysiologische Therapiekonzepte nach Bobath/NDT und/oder Vojta empfohlen. In der Physiopaed -Therapeutensuche (Link) ist diese Spezialisierung mit Bobath/Vojta gekennzeichnet.

Ziele der Physiotherapie sind: Muskelfunktionen aufzubauen und zu erhalten, Muskelverkürzungen (Kontrakturen) und Bewegungseinschränkungen zu vermeiden, die betroffene Muskulatur bestmöglich zu stimulieren, die neuromotorische Entwicklung zu unterstützen und zu vermeiden, dass es zu Asymmetrien und Fehlhaltungen kommt.

Die Eltern werden von der Therapeutin darin unterstützt, die Übungen mehrmals täglich zu Hause durchzuführen, da nur so der Muskelaufbau und die Erholung der Nervenfunktion erreicht werden kann. Die Übungen müssen immer wieder an die Entwicklung des Kindes angepasst werden. Die Physiotherapeutin wird den Eltern auch Hinweise zur Lagerung und dem Umgang mit dem Kind (Handling) geben, um nicht durch unsachgemäße Handhabung den Plexus noch zusätzlich zu schädigen.

Schädel-Hirn Trauma

Ein Schädel-Hirn Trauma kann in jedem Lebensalter passieren. Die Ursache ist meist ein Unfall (zum Beispiel im Verkehr, bei der Arbeit oder beim Sport) oder ein Sturz (zum Beispiel aus grosser Höhe). Durch einen starken Aufprall des Kopfes können Gehirn, Schädelknochen, Gefässe und Hirnhäute verletzt werden. Die Folgen eines Schädel-Hirntraumas hängen von der Stärke der Verletzung ab. Bei leichten Verletzungen bleiben oftmals keine bleibenden Schäden zurück, schwere Verletzungen können zum Tod führen.

Die Symptome hängen von der Stärke der Verletzung ab. Es wird zwischen leichten, mittelschweren und schweren Schädel-Hirn Traumata unterschieden. Leichte Traumata werden oft auch Hirnerschütterung genannt. Sie gehen mit kurzzeitigen Störungen der Hirnfunktionen einher (Symptome sind unter anderem kurze Bewusstlosigkeit, Orientierungsstörung, Schwindel, Sehstörung, Kopfschmerzen, Konzentrationsschwierigkeite, Übelkeit).

Ein mittelschweres bis schweres Schädel-Hirn Trauma hat meist eine längere Bewusstlosigkeit zur Folge bis hin zu Wachkomata über Monate oder Jahre. Langzeitsymptome wie Lähmungen oder kognitive Einschränkungen sind die Folgen von Blutungen und/oder Hirnschwellungen, die die Sauerstoffversorgung der Gehirnzellen stören. Dies ist bei schweren Schädel-Hirn Traumata meistens der Fall.

Ein Kind kommt nach einem mittelschweren oder schweren Schädel-Hirn Trauma in der Regel in eine mehrmonatige stationäre Rehabilitation. Im interdisziplinären Team (Ärzt*innen, Pflege, Ergotherapeut*innen, Logopäd*Innen, Neuropsycholog*innen, Physiotherapeut*innen,

Schulpersonal Sporttherapeut*innen,) werden zusammen mit dem Kind und den Eltern Behandlungsziele festgelegt. Je nach Schwierigkeiten, die das Kind im Alltag hat und Ziel der Behandlung, liegt der Schwerpunkt der Rehabilitation bei einer oder mehreren Therapieformen. Das übergeordnete Ziel ist immer, dass das Kind so viel Selbständigkeit wie möglich in seinem Alltag erreichen kann.

Die Physiotherapie nach einem Schädel-Hirn Trauma hat oftmals eine wichtige Rolle da die Motorik in vielen Fällen eingeschränkt ist. Es geht in der Physiotherapie darum, den Herz-Kreislauf zu stärken und die Kraft wieder aufzubauen, denn gerade nach einem längeren Koma ist der Körper sehr geschwächt. Die Grobmotorik (Gehen, Fortbewegung im Rollstuhl oder mit anderen Hilfsmitteln) wird trainiert oder wiedererlernt und Alltagsaktivitäten werden geübt. Die Physiotherapie kann im Patientenzimmer, in den Therapieräumlichkeiten, draussen, im Wasser oder auf dem Pferd (Hippotherapie) stattfinden. Dabei stehen immer das Kind und seine Familie und ihre Bedürfnisse im Mittelpunkt.

Auch nach einer stationären Rehabilitation ist es oftmals notwendig, dass ein Kind nach einem Schädel-Hirn Trauma in einer gewissen Regelmässigkeit in die Physiotherapie geht.

Je nach Problemstellung und daraus abgeleiteten Therapieziel, wird die Therapie geplant und durchgeführt.

Skoliose

Eine Skoliose ist eine seitliche Krümmung der Wirbelsäule mit einer Verdrehung der Wirbelkörper. Es werden seltene angeborene (z.B. ein Halbwirbel) von den viel häufiger vorkommenden erworbenen Skoliosen unterschieden. In über 80% der Fälle ist die Ursache unbekannt und man spricht von sogenannten idiopathischen Skoliosen. Am häufigsten werden diese nach dem 10. Lebensjahr diagnostiziert und als idiopathische Adoleszentenskoliosen (AIS) bezeichnet.

Meist besteht eine familiäre Vorbelastung und Mädchen sind häufiger betroffen als Knaben.

Seit einigen Jahren werden die Skoliosen abhängig vom Zeitpunkt der Diagnosestellung in „early onset Skoliosen“ (Diagnosestellung vor dem 10. Lebensjahr) und „late onset Skoliosen“ (Diagnosestellung nach dem 10. Lebensjahr) eingeteilt.

Eine Skoliose macht in der Regel keine Schmerzen. Da es sich in den meisten Fällen um eine Wachstumsstörung der Wirbelsäule handelt, kann es im Verlauf des Wachstums zu einem Fortschreiten der Verkrümmung kommen.

Ein fester Bestandteil der Behandlung ist die Physiotherapie. Es werden Übungen erlernt, die durch Muskelkräftigung und Atemkorrektur die Verkrümmung bestmöglich korrigieren. Diese Übungen sollen auch regelmässig zu Hause durchgeführt werden. Die Physiotherapie soll bei einer dafür spezialisierten Therapeutin durchgeführt werden.

Bei einer stärkeren Verkrümmung wird eine Korsetttherapie durchgeführt, die Physiotherapie bleibt dabei ein fester Bestandteil der Behandlung. Die konservative Therapie wird so lange wie möglich durchgeführt. Bei einem Winkel von mehr als 50° wird eine operative Korrektur in Erwägung gezogen. Diese Operation soll in einer spezialisierten Klinik erfolgen.

Eine zweite grosse Gruppe der erworbenen Skoliosen betrifft die neuromuskulären Skoliosen. Am häufigsten betroffen sind Patienten mit Zerebralparese (ICP). Je ausgeprägter die körperliche Behinderung ist, desto grösser ist die Wahrscheinlichkeit, eine Skoliose zu entwickeln. Die Wirksamkeit von Korsetten bei Skoliosepatienten mit ICP ist umstritten, sie werden aber dennoch regelmässig eingesetzt. Bei fortschreitender Deformität ist eine operative Stabilisierung oftmals unumgänglich. Die meist langbogigen und steifen Krümmungen können dabei nur durch langstreckige Verknöcherungen, sogenannte instrumentierte Spondylodesen, nachhaltig korrigiert werden.

Aufgrund relevanter Begleiterkrankungen muss die Operabilität dieser Patienten im Rahmen interdisziplinärer Sprechstunden vorgängig genau abgeklärt werden.

Ein frühzeitiges Erkennen von Wachstumsstörungen der Wirbelsäule ist sehr wichtig, um unabhängig von der Ursache der Skoliose eine optimale und wenn immer möglich nicht-operative Behandlung durchführen zu können.

Spina bifida

Spina bifida ist ein Neuralrohrdefekt, ein unvollständiger Verschluss der Wirbelsäule während der embryonalen Entwicklung. Die Gründe dafür sind nicht vollständig geklärt, es hat sich jedoch gezeigt, dass ein Folsäuremangel der Mutter während der Schwangerschaft das Risiko für diese Entwicklungsstörung erhöht.

Es gibt verschiedene Arten und Schweregrade dieser Fehlbildung. Der Defekt kann versteckt aber auch offen sein. Ein Kind mit einer offenen Spina bifida (Spina bifida aperta) muss meist direkt nach der Geburt chirurgisch behandelt werden. Es werden manchmal auch bereits im Mutterleib entsprechende Operationen durchgeführt.

Die Folgen eines Neuralrohrdefektes variieren von keinerlei Symptomen bis hin zur Querschnittlähmung. Grundsätzlich sind die Nerven, und damit die Muskulatur und Sensorik unterhalb des Defektes betroffen. Je nachdem, auf welcher Höhe sich die Schädigung befindet, können auch die Darm- und oder Blasenfunktion eingeschränkt oder aufgehoben sein.

Es kann auch zu einer Abflussstörung der Gehirnflüssigkeit kommen, die sich ebenfalls um das Rückenmark herum befindet, was zu einem Hydrocephalus (Hirnwasserabflussstörung) und allenfalls einer Beeinträchtigung des Gehirns führen kann. Dies wird mit dem Einsetzen einer Abflusshilfe (Shunt) behandelt.

Die physiotherapeutische Behandlung von Kindern mit Spina bifida ist so vielfältig und individuell wie sich die Diagnose auch präsentiert. Das Hauptziel ist, dass das Kind die bestmögliche Selbstständigkeit erlangen kann. Das Training von Alltagsaktivitäten erfordert je nach Schwerpunkt der Beeinträchtigung auch die Anpassung und Organisation von Hilfsmittel (Rollstuhl, Orthesen).

Schmerzen können zum Thema werden, wenn durch die Lähmung der Beine Kompensationsbewegungen zum Einsatz kommen und so zum Beispiel der untere Rücken beim Gehen stark belastet wird.

Trisomie 21

Trisomie 21 ist auch bekannt als Down-Syndrom und bedeutet, dass beim betroffenen Kind das Chromosom 21 dreimal vorhanden ist. Diese Veränderung der Erbanlagen ergibt eine geistige Beeinträchtigung in unterschiedlicher Ausprägung mit zusätzlichen körperlichen Merkmalen. Typische Merkmale sind:

  • Geringer Muskeltonus
  • Schräg nach oben verlaufende Lidachsen, breite Nasenwurzel und vergrösserter Abstand zwischen den Augen
  • Vierfingerfurche an der Hand, kurze Finger und einen grösseren Zwischenraum zwischen grosser Zehe und dem zweiten Zehen
  • Gefurchte und grosse Zunge
  • Kleine, tiefsitzende Ohren
  • Verminderte Körpergrösse

Diese sind bereits beim Säugling zu erkennen. Zusätzlich zu den bereits genannten Merkmalen können organische Auffälligkeiten auftreten. Hier zählen Herzfehler, Fehlbildungen im Magen-Darm-Trakt und Hör- und Sehstörungen zu den häufigsten. Die Lebenserwartung wird von den möglichen Begleiterkrankungen mitbestimmt.

Es ist üblich, dass Kinder mit Trisomie 21 eine frühe Förderung erhalten. Dies ist zu Beginn meist Physiotherapie und Heilpädagogische Frühförderung. In diesen Therapien erhalten Sie als Eltern auch Tipps und Hilfe für den Alltag. Später kommen dann oftmals Logopädie und Ergotherapie dazu, wobei es wichtig ist, die Auswahl der Therapien jeweils auf die Bedürfnisse Ihres Kindes abzustimmen.

Die motorische Entwicklung von Kindern mit Trisomie 21 ist häufig etwas verzögert. In einer kinderphysiotherapeutischen Behandlung kann Ihr Kind gezielt gefördert und unterstützt werden. Die Kinderphysiotherapeutin oder der Kinderphysiotherapeut zeigt den Eltern und anderen Bezugspersonen wie sie die Kinder mit gezieltem Handling und motorischen Angeboten im Alltag fördern können.

Manchmal werden auch Hilfsmittel zur Unterstützung benötigt. Auch hier kann Ihnen eine erfahrene/r Kinderphysiotherapeut/in beratend zur Seite stehen.

Seit 2016 wird Trisomie 21 von der IV anerkannt. Das bedeutet, dass therapeutische Interventionen und allfällige Hilfsmittel durch die IV übernommen werden.

Beim Verein «insieme» finden Sie als Eltern ebenfalls Unterstützung, wenn es um Austausch mit Gleichgesinnten, sonstige allfällige Fragen oder Entlastungsangebote geht.

Zerebralparese

Der Begriff Zerebralparese ist ein Überbegriff für verschiedene Beeinträchtigungen, die aufgrund einer Schädigung des Gehirns während der Zeit im Uterus, bei der Geburt oder in den ersten Lebensjahren stattfindet. Unter anderem können Sauerstoffmangel, Unfälle, Entzündungen durch Viren oder Bakterien das Gehirn schädigen. Je nach Ort und Ausmass der Schädigung, sind die Folgen mehr oder weniger starke Bewegungsstörungen, kognitive Einschränkungen, Beeinträchtigungen der Sensorik, Seh- und/oder Hörfähigkeit. Auch Epilepsie kann auftreten.

Die Bewegungsstörung kann eine hohe Muskelspannung (Spastizität) aufweisen, die entweder in der Muskulatur des ganzen Körpers, auf einer Körperseite oder nur in der Beinmuskulatur bemerkbar macht. Diese hohe, oft auch einschiessende Muskelspannung (Tonus), erschwert es dem Kind mit Zerebralparese Bewegungen gezielt durchzuführen und sie gewinnbringend einzusetzen. Die Körperspannung kann aber auch sehr tief sein, was eine Bewegung ebenfalls erschwert oder sogar verunmöglicht. Es kann auch ein Zittern (Tremor, Ataxie) auftreten. Je nach Schweregrad der Beeinträchtigung ist ein Kind mit Zererbalparese freier Fussgänger, kann mit einem Hilfsmittel (Rollator, Gehstöcke) gehen, ist im Aktiv-, oder Elektrorollstuhl mobil oder ist auf einen passiven Rollstuhl angewiesen.

Zerebralparese ist nicht heilbar. Das übergeordnete Ziel jeder Behandlung ist, dass ein Kind mit Zerebralparese eine möglichst grosse Selbständigkeit in seinem Leben erreichen kann.

Die Behandlung erfolgt im Idealfall im interdisziplinären Team (Ärzt*in, Ergotherapeut*in, Logopäd*in, Physiotherapeut*in) und in enger Zusammenarbeit mit dem Kind, seiner Familie und anderen Bezugspersonen, zum Beispiel aus der Schule statt.

Je nach Behandlungsschwerpunkt, hat die eine oder andere Therapie zeitweise Vorrang.

Die Aufgabe der Physiotherapie ist es, das Kind bei seiner Bewegungsentwicklung zu unterstützen, Bewegungsvarianten anzubieten und zu fördern. Verschiedene Therapiekonzepte (zum Beispiel NDT Bobath, Vojta, COPCA) kommen zur Anwendung. Da es durch die einseitigen Bewegungsmöglichkeiten, die ein Kind mit Zerebralparese hat, zu Langzeitfolgen wie Kontrakturen und Deformitäten kommen kann, werden auch manuelle Techniken, Dehnungen und Krafttraining angewendet.

Es kann auch sein, dass Einlagen, Fuss- oder Beinschienen (Orthesen) oder Korsette notwendig sind, um den Veränderungen der Muskeln und Gelenke aufgrund des eingeschränkten Bewegungsrepertoires entgegenzuwirken und damit dem Kind zum Beispiel aufrechtes Stehen oder auch Gehen zu erleichtern. Die Anpassung und Überprüfung dieser Hilfsmittel findet in der Zusammenarbeit der Orthopädietechnik statt und liegt meist im Aufgabenbereich de*r Physiotherapeut*in.

Für mehr Informationen: www.cerebral.ch

Zystische Fibrose

Die zystische Fibrose ist eine vererbbare Krankheit, welche dazu führt, dass Sekrete, welche in verschiedenen Regionen des Körpers gebildete werden, zähflüssiger sind.

Die Diagnosestellung findet über das Säuglings-Screening statt und wird mit einem Schweisstest bestätig. Somit ist bereits im Säuglingsalter bekannt, wenn ein Kind an einer zystischen Fibrose erkrankt ist.

Da auch die Lunge mit dem zähflüssigen Sekret betroffen ist, werden die Kinder früh in die spezialisierte Physiotherapie (Kinderatemtherapie) verwiesen. Die Physiotherapie sollte früh begonnen werden und dem Schweregrad der Erkrankung angepasst werden. Die physiotherapeutische Begleitung der Familie mit einem betroffenen Kind empfiehlt sich in jedem Fall.

Die Aufgabe der Physiotherapie ist vielschichtig und verändert sich mit der Entwicklung des Kindes. In den ersten Lebensjahren geht es darum, die Eltern zu begleiten. Ein gutes Wissen über die Diagnose hilft Ihnen, Ihr Kind mit seinen diagnosebezogenen Schwächen und Stärken gut kennenzulernen und die Symptome eines Luftwegsinfektes früh genug zu erkennen. Zudem wird das regelmässige Inhalieren mit dem Kind geschult. Später, im Schulalter, soll das Kind selber Kenntnisse über seinen Körper und die Erkrankung erlangen.

In der Kinderphysiotherapie wird es begleitet, die nötige Lungenreinigung schrittweise selbständiger zu übernehmen. Vermehrtes Husten und vermehrte Atemarbeit belasten gewisse Bereiche des Bewegungsapparates. In der Therapie werden deshalb Rücken und Muskeln regelmässig überprüft.

Sport ist ein wichtiger Faktor in der Therapie bei Zystischer Fibrose. Die Kinderphysiotherapeut*in berät sie dazu gerne.

Wenn immer möglich empfiehlt es sich ein*e Physiotherapeut*in mit spezieller Atem-Ausbildung aufzusuchen. Sie ist gut ausgebildet und verfügt über die Kenntnisse der bestmöglichen therapeutischen Interventionen und Entwicklungen der Krankheit. In der Physiopaed -Therapeutensuche (link) ist diese Spezialisierung mit AD gekennzeichnet.

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